Das Bienenvolk, ein Superorganismus

Das Bienenvolk ist ein sich selbst regulierender Superorganismus. Jede einzelne Biene trifft ihre eigenen Entscheidungen, die in Konkurrenz oder Kooperation zu den Entscheidungen anderer Bienen stehen. Die Gesamtheit dieser Entscheidungen steuert den Superorganismus. Die Arbeiterinnen sind die eigentlichen Verantwortlichen in der Bienenkolonie. Sie bestimmen, wann und wie viel Nektar und Pollen eingetragen werden, wie stark das Brutnest beheizt wird, sie legen den Wabenbau fest, die Nesthygiene, ja sogar wann eine Königin ersetzt wird, alles hängt miteinander zusammen und wird durch die Aktivitäten der Arbeiterinnen festgelegt. Ihre Entscheidungen werden durch Kommunikation und Spezialisierung beeinflusst und es wird immer ein Gleichgewichtszustand angestrebt. Die einzelnen Zielgrößen ändern sich dauernd und der Gleichgewichtszustand ist nur durch Daueraktivität des gesamten Volkes zu erreichen.

Tragen z. B. die Sammlerinnen Nektar ein und sind nur noch wenig freie Waben vorhanden, beginnen die Stockbienen mit dem Wabenbau. Finden die heimkehrenden Sammlerinnen keinen Abnehmer für ihren Nektar am Flugloch, stellen sie den Sammelflug ein. Oder sinkt die Temperatur im Brutnest ab, beginnen wärmeliebende Bienen zu heizen, sinkt die Temperatur weiter, kommen immer neue Heizer hinzu. Steigt die Temperatur wieder, hören die zuletzt Hinzugekommenen als erstes auf zu heizen. Und ist es umgekehrt zu warm, tragen kälteliebende Bienen Wasser ein, um das Brutnest zu kühlen. Steigt die Temperatur immer weiter, nehmen sich immer mehr Bienen der Aufgabe „Kühlen“ an, bis der Idealzustand wieder erreicht ist. Viele einzelne Regelkreisläufe steuern den selbstorganisierenden Superorganismus, ohne dass es eine übergeordnete Instanz gibt, die Entscheidungen trifft.

Das Bienenvolk besteht im Winter aus ca. 6.000 Bienen, im zeitigen Frühjahr leben nur noch ca. 3.000 und Ende Mai über 40.000 Bienen im Volk.

 

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