Wert der Bestäubung

Nach Schätzungen der Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) werden 71 der 100 Nutzpflanzenarten, aus denen 90 % der Lebensmittel weltweit gewonnen werden, von Bienen bestäubt. Alleine der rein finanzielle Wert dieser Bestäubungsleistung wird weltweit auf Hunderte von Milliarden Euro geschätzt. Hinzu kommt eine fast nicht abzuschätzenden Bedeutung der Bestäubung durch Insekten für den Erhalt der biologischen Vielfalt auf unserem Planeten.

In Europa hängt der Ertrag von 84 % aller angebauten Kulturpflanzen direkt von der Bestäubung durch Insekten ab. Diese ökologische Dienstleistung hat einen ökonomischen Wert für ganz Europa von jährlich rund 330 Milliarden Euro.

Bestäubende Insekten

Es gibt sehr viele Insekten, die Blüten besuchen und sich von Nektar ernähren. Diese kann man grob in zwei Gruppen einteilen: die bestäubungsuntüchtigen Besucher und die Bestäuber.

Zu den bestäubungsuntüchtigen Blütenbesuchern gehören Insekten mit meist kauend-leckenden Mundwerkzeugen. Sie ernähren sich als ausgewachsene Tiere von Nektar, ihre Larven werden aber nicht mit eiweißhaltigen Pollen gefüttert, sondern sind Fleischfresser. Zu diesen Insekten gehören die meisten Käfer, Fliegen, Schlupf-, Grab-, Blatt- und Wegewespen und auch etliche soziale Wespen, wie die Gemeine und die Deutsche Wespe. Der Pollen bleibt unter Umständen auch bei diesen Insekten am Körper hängen, aber eine relevante Bestäubungsleistung ist nicht festzustellen, es handelt sich hier um ein reines Zufallsprodukt.

Die Sammelleistung des Bienenvolkes

Nur die Altbienen sind Flugbienen und können erst ab 12 °C Außentemperatur fliegen. Sie sammeln maximal 20 Tage lang, danach sterben sie. Starke Völker bringen im Verlauf eines Sommers bis zu 200.000 Sammelbienen hervor, die rein rechnerisch über 1.000 Kilo Nektar sammeln können, was einem Honigvolumen von bis zu 500 Kilo entsprechen würde. Bedingt durch Umwelteinflüsse wie vorhandenes Trachtangebot, landschaftliche Gegebenheiten und das Wetter sammeln sie in der Realität deutlich weniger, in Deutschland zwischen 40 und 150 Kilo. Pollen werden bis zu 30 Kilo eingetragen und bis zu 100 Gramm Grundstoff für Propolis. Der größte Teil des eingetragenen Honigs wird von dem Bienenvolk als "Flugbenzin" und zum Heizen verbraucht, nur einen kleinen Teil, bis zu 40 Kilo, kann der Imker im Frühjahr und Sommer ernten.

Wildbienen

Von den weltweit 17.000 nachgewiesenen Bienenarten leben in Deutschland über 550. Die bekannteste Bienenart ist sicherlich die Honigbiene, die von uns Imkern als Nutztier gehalten wird. Um die "wild" lebenden Verwandten von den Honigbienen zu unterscheiden, werden alle Bienen incl. der Hummeln außer den Honigbienen als Wildbienen bezeichnet. Diese anderen 549 Bienenarten sind den meisten Menschen unbekannt und führen ein Schattendasein. Oder wer kennt schon die Gartenwollbiene, die Blattschneiderbiene, die Sandbiene, Buckelbiene, Wespenbiene, Fleckenbiene, Kuckuckshummel, die Gehörnte Mauerbiene, die Gallen-Mauerbiene, die Rostrote Mauerbiene, die Schmuckbiene oder die imposante Blauschwarze Holzbiene?

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